Fleisch ist zu billig.
Hört sich komisch an, ist aber
so. Die Fleischpreise haben sich in den letzten 30 Jahren kaum
verändert, wenn man die Teuerung bei allen anderen Waren mitberechnet,
ist es also sogar erheblich billiger, als vor 30 Jahren. Dies ging nur
durch die heute so vielgescholtene Industrialisierung der
Fleischproduktion, aber solange die Konsumenten eben eher auf den Preis
schauen und weniger auf die Qualität ihrer Lebensmittel, wird sich
daran wenig ändern können.
Die Fleischqualität hängt von
mehreren Faktoren ab. Die Haltung wirkt sich auf den Muskel- und
Fettgewebeaufbau der Tiere ebenso aus, wie die Fütterung und ganz
besonders auch das Schlachten selbst und die Behandlung der
Schlachtkörper hinterher, was im Abschnitt Fleischreifung näher erläutert wird..
Eine
zu enge, bewegungsarme Haltungsweise fördert zwar die schnelle
Gewichtszunahme, aber das ist hauptsächlich Wasser und Fett. Beides ist
für den Konsumenten heutzutage eher ärgerlich. Viel Bewegung dagegen
fördert zwar die Ausbildung der Muskulatur, aber die Gewichtszunahme
und Fettgehalt sind hier zu gering. Argentinische und brasilianische
Rinder laufen zwar den größten Teil Ihres Lebens frei herum, so kommen sie aber nicht in den
Schlachthof, sondern zuerst in eine mehrwöchige Endmast, da sich
bei den mageren Tieren ansonsten Schlachtung und Transport gar nicht lohnen würden.
Bei der Fütterung entscheidet sich letztlich, ob der Landwirt Gewinn macht, oder nicht.
Dazu ein Beispiel: Schweine haben eine Futterverwertung von etwa 2.7:1, das bedeutet, damit sie ein Kilogramm zunehmen müssen sie etwa 2.7 Kilogramm Futter fressen. Wenn man den Preis für ein Ferkel, die Stallkosten und die sonstigen Betriebskosten wie Arbeitslohn, Heizung, Versicherungen und Tierarzt von den ca. € 1,80 abzieht, die ein Bauer pro Kg Schwein bekommt, dürfen diese 2.7Kg Futter nicht mehr kosten als etwa € 1,- oder sogar etwas weniger. Die meisten mittelständischen Landwirte bauen das Futter für ihre Tiere selbst an, um Kosten zu sparen. Man kann sich von der Qualität des Futters im Zweifelsfall vor Ort überzeugen.
Die Großmastanlagen im Oldenburgischen oder in Dänemark müssen aber alles Futter zukaufen, was sich nur lohnt, wenn zehntausende Schweine gleichzeitig produziert und mit speziellem, auf schnelle Gewichtszunahme abgestimmtem Futter aufgezogen werden. Glücklicherweise sind zumindest "Leistungsförderer", also appetitanregende Antibiotika inzwischen EU-weit verboten.
Durch die "Marktregulierung" seitens der Bundesregierung und der EU ist es für kleinere Landwirte schwierig geworden, noch gewinnbringend Tierhaltung in einer Größenordnung unterhalb der industriellen Mast zu betreiben. Biobetriebe und kleine Mastbetriebe mit Weidehaltung von Rindern und Schweinen können mit den Großmarktpreisen einfach nicht überleben, sondern finanzieren sich fast ausschließlich über Direktvermarktung oder kleinere Genossenschaften. Solche direktvermarktenden Beriebe gibt es inzwischen zumindest in der Nähe der meisten Städte und eine Einkaufsfahrt lohnt sich allemal. In Großstädten gibt es auch meist Schlachter, die direkt von solchen Betrieben ihre Tiere beziehen, selbst schlachten und verarbeiten. Auch danach lohnt es sich zu suchen!
Wir als Verbraucher haben es weitgehend selbst in der Hand, was wir essen und wie es produziert wird.